24.04.2009

In diesem Frühling wurde die Gesellschaft für interdisziplinäre Bildwissenschaft gegründet, mit Sitz im westfälischen Münster. Die Förderung einer interdisziplinären Bildwissenschaft als eigenständige Grundlagendisziplin sowie die die universitäre Verankerung der interdisziplinären Bildwissenschaft als eigenständige Grundlagendisziplin sind laut Satzung die beiden vorrangiger Ziele des Vereins. Bei der Gründungssitzung in Chemnitz wurde erst einmal erledigt, was Vereine als Gründungsakt zu tun pflegen - Stellen besetzt.

Vorstand wurde der Initiator des Vorhabens, Klaus Sachs-Hombach. Er lehrt Philosophie in Chemnitz.

Zu seinem Stellvertreter wählte man Philipp Stöllger, einen Theologen aus Rostock, wo seit kurzem verstärkt bildwissenschaftliche Studien betrieben werden.

Stefan Meier, im Fach Medienkommunikation in Chemnitz tätig, übernahm den Posten des Schatzmeisters.

Dem erweiterten Vorstand gehören Petra Bernhardt (Politikwissenschaftlerin in Wien), Hans-Dieter Huber (Kunsthistoriker in Stuttgart), Stefanie-Vera Kockot (Kulturwissenschaftlerin aus Zürich) sowie Christoph Wagner (Kunsthistoriker aus Regensburg, fehlt im Bild) an.

Die Gesellschaft wird als Homepage auf die Seite des bereits seit einigen Jahren bestehenden Virtuellen Instituts für Bildwissenschaft zurückgreifen. Zwar sind Naturwissenschaften leider im Vorstand der neuen Gesellschaft nicht vertreten, aber ansonsten ist es gelungen, ein breites Spektrum an Fächern miteinzubeziehen ebenso wie alle Länder des deutschen Sprachraums. Die Aufnahme in die Gesellschaft kann mit einem online abrufbaren Formular beantragt werden.

30.06.2008, Stefan Heidenreich

Schluss mit Modellen, Schluss mit der Anschaulichkeit, Schluss auch mit Theorie im Ganzen. Die schiere Menge an Daten lässt altertümlichen Luxus dieser Art nicht mehr zu. So ähnlich argumentiert Chris Anderson in der jüngsten Ausgabe von Wired.  
Kilobytes were stored on floppy disks. Megabytes were stored on hard disks. Terabytes were stored in disk arrays. Petabytes are stored in the cloud. As we moved along that progression, we went from the folder analogy to the file cabinet analogy to the library analogy to — well, at petabytes we ran out of organizational analogies.
At the petabyte scale, information is not a matter of simple three- and four-dimensional taxonomy and order but of dimensionally agnostic statistics. It calls for an entirely different approach, one that requires us to lose the tether of data as something that can be visualized in its totality.

21.06.2008, Stefan Heidenreich

Stefan Leifert hat in einem Band zwei Bücher über die Ethik des Visuellen geschrieben. Er versucht, den ganzen Weg von den philosophischen Bildtheorien bis zum alltäglichen Gebrauch der Bilder im Journalismus zurückzulegen. Zwischen Theorie und Praxis kommt es zu einem Bruch, der zugegebenermaßen schwer zu vermeiden ist. Von der Höhe der Bildtheorien  Husserls, Sartres und Heidegger unternimmt Leifert einen waghalsigen Sprung in die Tiefe
der publizistischen Selbstkontrolle im Bereich des Printjournalismus durch den Deutschen Presserat.

Ums vorwegzunehmen: Das Buch übersteht den Sprung nicht schadlos, aber dem Autor gebührt für den Versuch alle Achtung. Auch wenn das Buch in zwei Teile zerfällt, die nicht wirklich miteinander zusammenhängen und sich auch nicht unbedingt an dieselben Leser wenden.

31.05.2008, Stefan Heidenreich

Seiner Geschichte vom Betrachter und vom Blick hat der Kunsthistoriker Hans Belting ein aufregendes neues Kapitel hinzugefügt. Die Perspektive - der Durch-Blick - galt bislang als eine genuin westliche Erfindung. Belting fordert uns auf, ihre Wurzeln im Orient zu suchen. Und er zeigt, auf welchem Weg das Wissen der Perspektive in den Westen gelangt ist, warum es sich nur hier erfüllen konnte, und wie es kam, dass im Orient andere Lösungen den Sieg davon trugen.
Erst in unserer Gegenwart dringt das perspektivische Abbild dank technischer Medien auch in den ehemals abbild-feindlichen islamischen Orient vor.

Aber bild-feindlich war der Islam nie. Belting gibt genügend Beispiele für die reiche Bildkultur in Bagdad. Verboten war vielmehr, körperliches Leben mit Stimme und Atem auf leblose Bilder zu übertragen. Der Weg zum Blick, und damit also auch der Weg zur perspektivischen Darstellung waren damit versperrt.

Die im Orient entstandene optische Theorie ist eine Wisenschaft vom Sehen, nicht vom Bild. Den Schlüssel zum Verständnis des arabischen Zugangs findet Belting im Werk von Alhazen, Abu Ali al-Hasan Ibn al-Haitham, geboren in Basra 965, in Bagdad studiert, dann bis 1040 in Kairo tätig. Über die Lektüre der griechischen Texte hinausgehend entwirft er eine Wissenschaft vom Sehen und beschreibt darin unter anderem auch das erste Modell einer Camera obscura. Das Sehen war für Alhazen stets die Wahrnehmung von Licht und  nie das Hervorbringen von Bildern.

14.02.2008

 

Manchmal braucht Denken Zeit. Vor zwei Jahren hielt der Philosoph Jürgen Habermas eine Rede in Wien (pdf der Rede). Und nun fand in Oldenburg ein Symposium statt, das die FAZ im Licht von Habermas' damaligen Aussagen genauer betrachtet. Und das scheint nötig zu sein. Denn immerhin machte Habermas deutlich, dass das Internets die Struktur der neuen Öffentlichkeit prägt.

Seine Warnung, warum das Netz dem Denken gefährlich wird, führt um zwei Ecken.
Denn zu begrüßen ist, so Habermas, dass die Umstellung der Kommunikation von Buchdruck und Presse auf Fernsehen und Internet zu einer ungeahnten Ausweitung der Medienöffentlichkeit und zu einer beispiellosen Verdichtung der Kommunikationsnetze geführt hat. Aber gerade die Breite, das Nicht-Exklusive und der Überfluss von Information droht zu Mängeln beim Inhalt zu führen.

In diesem Medium (Internet) verlieren die Beiträge von Intellektuellen die Kraft, einen Fokus zu bilden. Damit bleibt Habermas seinen Anfängen treu. Schon in seinem frühen Buch Strukturwandel der Öffentlichkeit behauptet er, dass die Medien im Laufe eines guten Jahrhunderts den nicht gerade vorteilhaften Weg vom Journalismus schriftstellernder Privatleute zu den öffentlichen Dienstleistungen der Massenmedien gegangen sind.

30.08.2006
Die vierte Ausgabe der Online-Zeitschrift „Image“

Die fünf Artikel in der neuesten Ausgabe von Image haben kein Tehma gemeinsam. aber ein verbindender Aspekt der meisten Texte ist die philosophische Relfexion über den Bezug zwischen Bild und Wahrnehmung.

„Landschaft ist ein Produkt einer ästhetischen Reflexion“, stellt die Autorin Beatrice Nunold knapp am Anfang ihres Artikels klar. Abgebildete Natur wird zur Sache des Betrachters und das Bild der Landschaft gibt einen mentalen Zustand wieder. Nunold greift auf die heideggersche Formulierung vom „In-der-Welt-Sein“ zurück, um Landschaft als inneres Erlebnis zu beschreiben. Aber Heidegger wäre vor einer derart subjektivistischen Wendung vermutlich zurückgeschreckt. Welt gilt ihm als etwas, das der Betrachter nicht einfach durch Reflexion verinnerlicht, sondern auf sich zukommen lassen muss.
 

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