31.05.2009, Stefan Heidenreich

Hier 700, dort 2000 Fotos, die nicht veröffentlicht werden. Wir wissen nur, dass es die Bilder gibt. Und wir kennen die Orte, an denen sie entstanden. Hier Berlusconis Villa auf Sardinien. Dort einige US-Militärgefängnisse, wie das berüchtigte Abu Ghraib in Bagdad. Aber es gibt die Bilder nicht zu sehen, sondern nur Beschreibungen der Szenerien, die kaum unterschiedlicher sein könnten.

 

21.06.2008, Stefan Heidenreich

Stefan Leifert hat in einem Band zwei Bücher über die Ethik des Visuellen geschrieben. Er versucht, den ganzen Weg von den philosophischen Bildtheorien bis zum alltäglichen Gebrauch der Bilder im Journalismus zurückzulegen. Zwischen Theorie und Praxis kommt es zu einem Bruch, der zugegebenermaßen schwer zu vermeiden ist. Von der Höhe der Bildtheorien  Husserls, Sartres und Heidegger unternimmt Leifert einen waghalsigen Sprung in die Tiefe
der publizistischen Selbstkontrolle im Bereich des Printjournalismus durch den Deutschen Presserat.

Ums vorwegzunehmen: Das Buch übersteht den Sprung nicht schadlos, aber dem Autor gebührt für den Versuch alle Achtung. Auch wenn das Buch in zwei Teile zerfällt, die nicht wirklich miteinander zusammenhängen und sich auch nicht unbedingt an dieselben Leser wenden.

12.04.2008

Ist das Betrachten von Grausamkeiten selbst eine Grausamkeit? fragt Linda Hentschel in der Einleitung des von ihr herausgegebenen Bandes. Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp rief einst zum Bild-Boykott auf. Wenn das Töten eines Menschen den Zweck hat, seinen Tod zum Bild werden zu lassen, dann ist das Betrachten dieses Bildes unabdingbarer Akt der Beteiligung. Dann würde der Betrachter zum Täter, aber das Bilderverbot erscheint beim Grad, mit dem Nachrichten von Visuellem durchtränkt sind, illusorisch.

 

Der Band zur Bilderpolitik ist alles andere als ein Handbuch zur Herrschaft durch Bilder, eher ein Gegen-Buch. Doch manchmal gleicht das Dagegen dem Dafür. Und so erfahren wir ausführlich, wie es gemacht wird, das Regieren mit Bildern.

Visuell zu regieren heißt, so die Herausgeberin Linda Hentschel mit Bezug auf Foucault, sich dem richtigen Verfügen über mediale Bilder anzunehmen, um sie einem angemessenen Zweck zuzuführen.

23.02.2008, Stefan Heidenreich

You dont' understand our Audience überschreibt John Hockenberry seinen Artikel für die jüngste Ausgabe der MIT Technology Review. Was er nicht versteht und sich zu verstehen weigert, ist der Wille der Netzwerke, ihre Bilder einem imaginierten Publikum anzudienen und dabei jedem Hindernis auszuweichen. Aber gerade das, so legt es Hockenberry nahe, bringt die Sender in eine technologische wie ästhetische Rückständigkeit.

Bilder werden als Werbeumgebung eingesetzt. Was zählt, sind Emotionen, nicht Information. Hockenberrys Beispiel reicht in die Tage kurz nach 9/11 zurück, als er bei dem Fernsehsender NBC arbeitete.

The next morning I was in the office of David Corvo, the newly installed executive producer of Dateline, when Zucker entered to announce that the network was going to resume the prime-time schedule for the first time since the attacks. The long stretch of commercial-free programming was expensive, and Zucker was certain about one thing: 'We can't sell ads around pictures of Ground Zero.'

Hockenberry hängt noch der Vorstellung an, Journalisten sollten informieren und aufklären. Er schlägt eine Dokumentation über das Al-Qaida Netzwerk vor, das damals gerade erst in  Verdacht gerät. Der Produzent dagegen will statt eines Hintergrundberichts lieber emotional positv aufgeladene Heldenfiguren zeigen.

But Zucker insisted that Dateline stay focused on the firefighters.

10.05.2006
Ein Vortrag des britischen Bildwissenschaftlers Nicholas Mirzoeff

Mit Mirzoeff war bei der Konferenz „Bilderkriege – Bruchstellen der Moderne“ einer der bekanntesten Forscher der Visual Studies eingeladen. Der angelsächsische Ansatz unterscheidet sich seinen Methoden und Forschungsfeldern von den im Entstehen begriffenen Bildwissenschaften des deutschsprachigen Raums. Er steht den Cultural Studies und damit einer politischen Philosophie und Soziologie nahe.

Am vergangenen Freitag hielt Mirzoeff den Eröffnungsvortrag der Konferenz zum Thema Visuality of Image Wars – The Graphic and the Hero.

 

 

19.03.2006, Stefan Heidenreich
Zu einem Vortrag von Maurizio Lazzarato

Der italienische Philosoph Maurizio Lazzarato hat in seinem Buch "Videophilosophie" die Wirkungen der maschinellen Bildtechnologien auf Ästhetik und Wahrnehmung des Visuellen untersucht. In einem Vortrag, den er als Kommentar zu der Projekt "Timescapes" hielt,  verdeutlichte er einige Grundbegriffe seines Denkens. Im Kern steht dabei die a-signifikante Logik der Maschinen: Sie produzieren zwar Zeichen, aber keine Bedeutungen im hergebrachten Sinn.

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