31.05.2008, Stefan Heidenreich

Seiner Geschichte vom Betrachter und vom Blick hat der Kunsthistoriker Hans Belting ein aufregendes neues Kapitel hinzugefügt. Die Perspektive - der Durch-Blick - galt bislang als eine genuin westliche Erfindung. Belting fordert uns auf, ihre Wurzeln im Orient zu suchen. Und er zeigt, auf welchem Weg das Wissen der Perspektive in den Westen gelangt ist, warum es sich nur hier erfüllen konnte, und wie es kam, dass im Orient andere Lösungen den Sieg davon trugen.
Erst in unserer Gegenwart dringt das perspektivische Abbild dank technischer Medien auch in den ehemals abbild-feindlichen islamischen Orient vor.

Aber bild-feindlich war der Islam nie. Belting gibt genügend Beispiele für die reiche Bildkultur in Bagdad. Verboten war vielmehr, körperliches Leben mit Stimme und Atem auf leblose Bilder zu übertragen. Der Weg zum Blick, und damit also auch der Weg zur perspektivischen Darstellung waren damit versperrt.

Die im Orient entstandene optische Theorie ist eine Wisenschaft vom Sehen, nicht vom Bild. Den Schlüssel zum Verständnis des arabischen Zugangs findet Belting im Werk von Alhazen, Abu Ali al-Hasan Ibn al-Haitham, geboren in Basra 965, in Bagdad studiert, dann bis 1040 in Kairo tätig. Über die Lektüre der griechischen Texte hinausgehend entwirft er eine Wissenschaft vom Sehen und beschreibt darin unter anderem auch das erste Modell einer Camera obscura. Das Sehen war für Alhazen stets die Wahrnehmung von Licht und  nie das Hervorbringen von Bildern.

30.01.2008

Caltech101 heisst die gebräuchlichste Datenbank, an der Computer ihre Fähigkeiten in künstlichem Sehen testen. Doch an diesem Test sind nun Zweifel aufgekommen. Denn die in der Datenbank enthaltenen Bilder sind bei weitem nicht so komplex wie die visuellen Eindrücke, auf die das menschliche Auge in der Natur trifft.

James Di Carlo, eine Neurowissenschaftler aus Harvard glaubt, dass Designfehler den Computern das Sehen zu leicht machen. Unter anderem ist dafür der Hang von Photographen verantwortlich, Motive in der Bildmitte zu platzieren.

"Die Leichtigkeit, mit der wir visuelle Objekte erkennen, täuscht über die Schwierigkeiten der Rechner hinweg", so DiCarlo. "Im Kern liegt die Herausforderung bei der Bildvariation. Jedes gegebene Objekt kann eine Unzahl von Bildern auf die Retina werfen, je nach Position, Entfernung, Orientierung, Lichteinfall oder Hintergrund."

An einem Testprogramm zeigte sich, dass die Caltech-Datenbank diese ganz zentrale Herausforderung nicht wirklich wiedrgibt. So fällt es den Computern nicht schwer genug, Objekte zu erkennen. Die Forscher fordern deshalb, eine neue, wirklichkeitsgetreuere Testumgebung zu entwickeln.

24.01.2008

Eine Untersuchung am MIT zeigt, wie kulturelle Prägungen das Sehen beinflussen. Psychologisch ist erwiesen, dass Amerikaner einzelne Objekte eher unabhängig von deren Umgebung wahrnehmen. Asiaten dagegen sehen Dinge in der Menge und berücksichtigen eher den Kontext.

Das Team um John Gabrielli stellte sich nun die Frage, ob diese Unterschiede sich auch in den Gehirnaktivitäten nachvollziehen lassen. Dabei stellte sich heraus, dass Asiaten mehr Aufmerksamkeit aufbringen müssen, um absolute Urteile zu fällen, während Vergleiche ihnen leicht fallen. Das umgekehrte gilt für Amerikaner. Je stärker die Identifkation mit der betreffender Kutur ausfiel, desto deutlicher trat dieser Effekt auf.

"Wir waren überrascht, wie stark die Unterschiede zwischen den beiden kulturellen Gruppen ausfielen. Und auch darüber, wie weit sich die in Anspruch genommenen Zonen im Aufmerksamkeitszentrum des Hirns ausdehnten, als es darum ging, Urteile jenseits der kulturellen Gewohnheit zu fällen", erklärte Trey Hedden, einer der beteiligten Forscher.

Auf Scienceblogs gibt die Pädagogin Monika Armand zu bedenken, dass die Unterschiede auch auf den Gegensatz zwischen einer rein zeichenhaften und einer Bilderschrift zurückzuführen sein könnten.

29.09.2007
Wege in den Raum

Bislang war das Netz weitgehend flach. Doch immer mehr öffnen sich seine Bilder als Fenster in den Raum. Nicht dass 3-Dimensionalität in nächster Zukunft zum Standard werden müsste. Aber aus dem Reich der realen Köper reicht sie immer weiter hinein in den Bereich der ehemals flachen digitalen Bilder.

Auf diesem Weg sind die Bilder selbst die größte Hürde. Denn sie entstehen als Fläche und radieren den Raum aus. Um so dringender sucht man nach Verfahren, die Fläche wieder in den Raum zurück zu rechnen. Um sie dann so in einer räumlichen Umgebung verortet wieder am Bildschirm und also flächig ausgeben zu können.

Von den vielen Wegen in den virtuellen Raum seien hier nur 3 gezeigt. Sie reichen vom einzelnen Gesicht über das Urlaubs-Landschaftsphoto bis zur Satellitenaufnahme.  

26.02.2006
Zu einem Vortrag von Hans Belting


Wie sehr arabische Einflüsse den europäischen Blick geprägt haben, darauf machte kürzlich der Kunsthistoriker Hans Belting in einem Vortrag aufmerksam. "Die Perspektive als Bild: der ikonische Blick und die arabische Optik" lautete der Titel.

30.08.2005, Annegret Gerleit

Dass Angehörige fremder Kulturen unter Umständen anders denken, weil sie in unterschiedlichen Umgebungen mit anderen Wertesystemen aufwachsen, gilt als unumstritten. Dagegen sind die Grundmechanismen der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung bei allen Menschen gleich. So dachten Forscher bisher. Doch Sehen ist scheinbar nicht gleich sehen.

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