30.01.2008

Caltech101 heisst die gebräuchlichste Datenbank, an der Computer ihre Fähigkeiten in künstlichem Sehen testen. Doch an diesem Test sind nun Zweifel aufgekommen. Denn die in der Datenbank enthaltenen Bilder sind bei weitem nicht so komplex wie die visuellen Eindrücke, auf die das menschliche Auge in der Natur trifft.

James Di Carlo, eine Neurowissenschaftler aus Harvard glaubt, dass Designfehler den Computern das Sehen zu leicht machen. Unter anderem ist dafür der Hang von Photographen verantwortlich, Motive in der Bildmitte zu platzieren.

"Die Leichtigkeit, mit der wir visuelle Objekte erkennen, täuscht über die Schwierigkeiten der Rechner hinweg", so DiCarlo. "Im Kern liegt die Herausforderung bei der Bildvariation. Jedes gegebene Objekt kann eine Unzahl von Bildern auf die Retina werfen, je nach Position, Entfernung, Orientierung, Lichteinfall oder Hintergrund."

An einem Testprogramm zeigte sich, dass die Caltech-Datenbank diese ganz zentrale Herausforderung nicht wirklich wiedrgibt. So fällt es den Computern nicht schwer genug, Objekte zu erkennen. Die Forscher fordern deshalb, eine neue, wirklichkeitsgetreuere Testumgebung zu entwickeln.

24.01.2008

Eine Untersuchung am MIT zeigt, wie kulturelle Prägungen das Sehen beinflussen. Psychologisch ist erwiesen, dass Amerikaner einzelne Objekte eher unabhängig von deren Umgebung wahrnehmen. Asiaten dagegen sehen Dinge in der Menge und berücksichtigen eher den Kontext.

Das Team um John Gabrielli stellte sich nun die Frage, ob diese Unterschiede sich auch in den Gehirnaktivitäten nachvollziehen lassen. Dabei stellte sich heraus, dass Asiaten mehr Aufmerksamkeit aufbringen müssen, um absolute Urteile zu fällen, während Vergleiche ihnen leicht fallen. Das umgekehrte gilt für Amerikaner. Je stärker die Identifkation mit der betreffender Kutur ausfiel, desto deutlicher trat dieser Effekt auf.

"Wir waren überrascht, wie stark die Unterschiede zwischen den beiden kulturellen Gruppen ausfielen. Und auch darüber, wie weit sich die in Anspruch genommenen Zonen im Aufmerksamkeitszentrum des Hirns ausdehnten, als es darum ging, Urteile jenseits der kulturellen Gewohnheit zu fällen", erklärte Trey Hedden, einer der beteiligten Forscher.

Auf Scienceblogs gibt die Pädagogin Monika Armand zu bedenken, dass die Unterschiede auch auf den Gegensatz zwischen einer rein zeichenhaften und einer Bilderschrift zurückzuführen sein könnten.

26.02.2006
Zu einem Vortrag von Hans Belting


Wie sehr arabische Einflüsse den europäischen Blick geprägt haben, darauf machte kürzlich der Kunsthistoriker Hans Belting in einem Vortrag aufmerksam. "Die Perspektive als Bild: der ikonische Blick und die arabische Optik" lautete der Titel.

15.01.2006



Was haben der Isenheimer Altar, der „Triumph des Willens“ und „America’s Army“ gemeinsam? Es sind Bilder, die Emotionen auslösen. Grund genug, den Altar von Grünewald, den Film von Leni Riefenstahl und das im Auftrag der US-Armee entwickelte Computerspiel zu den Untersuchungsgegenständen eines Sammelbands über „mediale Emotionen“ zu machen. Wie Bilder Gefühle von Angst, Freude, Heiterkeit oder Aufregung auslösen, ist das Thema, dem sich das von Oliver Grau und Andreas Keil herausgegebenen Buch von verschiedenen Seiten und Disziplinen her annähert.

31.10.2005, Stefan Heidenreich

"Gut gefälscht ist gut verkauft" betitelt Jürgen Reiche einen Vortrag über die Macht der Bilder, gehalten am 29.10. im Rahmen des Berlin Photography Festivals
Bilder, die lügen" heißt eine von Reiche kuratierte Wanderausstellung, zur Zeit in Nürnberg zu sehen. Beide Titel lassen das Plädoyer eines bekennenden Ikonklasten erwarten. Doch er kennt ein Gegengift: die Erziehung zur Kritik der Bilder. Eine alles in allem etwas vereinfachende Geschichte vom guten willen und den bösen Bildern.

30.08.2005, Annegret Gerleit

Dass Angehörige fremder Kulturen unter Umständen anders denken, weil sie in unterschiedlichen Umgebungen mit anderen Wertesystemen aufwachsen, gilt als unumstritten. Dagegen sind die Grundmechanismen der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung bei allen Menschen gleich. So dachten Forscher bisher. Doch Sehen ist scheinbar nicht gleich sehen.

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