17.05.2008, Stefan Heidenreich

Dass Bilder laufen lernten, ist eine Weile her. Im Netz lernen sie nun langsam zu springen.
Zeit war seit Anfang an ein Problem im Internet. Google hat es ganz einfach umgangen, indem es die Dimension der Zeit ignoriert.

Doch Zeit und ihre Abläufe kommen wieder, und das um so dringender, je mehr zeitbasierte Information wir im Internet finden. Nun gibt es einen ganz grundsätzlichen Widerspruch zwischen dem Zugriff auf Zeit und dem Bild. Wann immer wir in der Zeit springen wollen, benötigen wir im Bild Platz, um die Dimension Zeit darzustellen. Etwa mit einem Diagramm oder einem Chart.

Time Tube bietet eine einfache Lösung an, Bilder auf einem Zeitpfeil anzuordnen. Es handelt sich bei der Service um ein Mashup der Plattform Dipity, die Zeitreihen erstellt. Timetube kombiniert die Zeitreihe mit einer Suche auf dem Videokanal Youtube.

12.04.2008

Ist das Betrachten von Grausamkeiten selbst eine Grausamkeit? fragt Linda Hentschel in der Einleitung des von ihr herausgegebenen Bandes. Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp rief einst zum Bild-Boykott auf. Wenn das Töten eines Menschen den Zweck hat, seinen Tod zum Bild werden zu lassen, dann ist das Betrachten dieses Bildes unabdingbarer Akt der Beteiligung. Dann würde der Betrachter zum Täter, aber das Bilderverbot erscheint beim Grad, mit dem Nachrichten von Visuellem durchtränkt sind, illusorisch.

 

Der Band zur Bilderpolitik ist alles andere als ein Handbuch zur Herrschaft durch Bilder, eher ein Gegen-Buch. Doch manchmal gleicht das Dagegen dem Dafür. Und so erfahren wir ausführlich, wie es gemacht wird, das Regieren mit Bildern.

Visuell zu regieren heißt, so die Herausgeberin Linda Hentschel mit Bezug auf Foucault, sich dem richtigen Verfügen über mediale Bilder anzunehmen, um sie einem angemessenen Zweck zuzuführen.

28.04.2007, Stefan Heidenreich

Der Sammelband MediaArtHistories unternimmt, den Versuch, das Genre der Medienkunst mit ihren verschiedenen Geschichten ein Stück weiter in den Kanon der Kunst einzufügen. Denn noch immer - oder vielleicht auch mehr denn je - ist sie in Galerien, Großausstellungen und Museen kaum vertreten.
Statt dessen ist Medienkunst immer ein Genre geblieben, das in mehr oder weniger geschlossen Kreisen, an wenigen zentralen Orten und in akademischen Zirkeln zirkuliert. Bei dem Versuch, ihre Geschichte zu konstruieren, legt das Buch unfreiwillig einige der Gründe offen, warum Medienkunst eine Nischenkultur geblieben ist, die weder auf Kunst noch auf den Rest der digitale Kultur merklich ausstrahlt. Denn Kunst im allgemeinen kommt gut mit Medien, aber auch ohne ein explizites Genre namens Medienkunst zurecht. Und Medien werden längst nicht mehr von Künstlern und ihren Werken vorangebracht, sondern von Unternehmensgründern und Programmierern.

13.02.2007

Mit Peter Greenaway endete am 9. Februar die Reihe der Berliner Thyssen- Vorlesungen zur Ikonologie der Gegenwart. 111 Jahre lang hat sich das Kino, so der Regisseur, Maler und Autor, nicht weiter entwickelt. You have never seen cinema. Nach wie vor, so Greenaway, sei Kino nichts anderes als  illustrierter Text.

Was sind die grössten Filme der letzten Jahre? Eine rhetorische Frage, die er umgehend selbst beantwortete: Harry Potter und Der Herr der Ringe, beide illustrierte Bücher. Seit 1920 tritt der Film auf der Stelle, findet nicht zum Bild.

Zum einen Mangel kommt im Kino ein zweiter: die falschen Filme sieht ein Publikum, das nie wirklich sehen gelernt hat. Das allgemeine Wissen über Bilder verharrt auf dem Kenntnisstand des  Impressionismus. So bleibt das Kino eine Mischung aus Theater und Literatur, mit Glück kommt etwas Malerei hinzu.

Vor starken Thesen schreckt Greenaway in keinem Moment zurück. Sein enGlauben an die Avantgarden, an den Heroismus der Moderne  vertritt er ungebrochen und mit dem festen Ziel, ihn auf das Kino übertragen.

16.09.2006, Stefan Heidenreich
Dokumentation, Fiktion und die Entstehung einer neuen Kunstform

In den ersten Jahren nach der Erfindung des Kinos hatten 90% aller Filme einen dokumentarischen Inhalt. Nach 15 Jahren hatte sich dieses Verhältnis umgekehrt. Fiktionale Stoffe waren bei weitem in Überzahl. Die Erklärung für den Wandel ist einfach: Alltag und Wirklichkeit lieferten nicht genügend dramatische Ereignisse, um die steigende Nachfrage der Kinogänger zu befriedigen. So gingen die Kinoproduzenten dazu über, Filme zu erfinden anstatt Stoffe auf der Straße zu suchen.


Ein kleiner Skandal, der Mitte September einen Videosender erschütterte, zeigt, dass sich ein ähnlicher Wandel erneut vollziehen könnte. Bei dem Kanal handelt es sich nicht um einen herkömmlichen Fernsehsender, sondern um den Youtube-Channel „lonelygirl15“.

21.02.2006, Franz Reitinger

Im Streit um die zwölf Karikaturen, die vor Monaten in einer Tageszeitung erschienen, geht es nicht nur um die Problematik des Bilderverbots. Es scheint sich jetzt zu rächen, dass viele der nicht-westlichen Gesellschaften wesentliche Entwicklungen des Bildes übersprungen haben, um unversehens im globalen Dorf zu landen. Nur so ist es zu verstehen, dass eine vormoderne Bildform wie die Karikatur und nicht etwa ein avanciertes Medienprodukt oder ein zeitgenössisches Kunstwerk den Anstoß zu den aktuellen Protesten gab...

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