09.10.2008, Stefan Heidenreich

Ein Buch mit dem kurzen Titel Bild-Sprache verspricht nicht
weniger als etwas Grundlegendes. Gesche Joost geht es nicht um einen Teil, sondern um Alles, ums Ganze. Um die ganze Sprache des Films.
Wie werden rhetorische Gestaltungsmittel eingesetzt? Welchen Regeln folgt ihr Einsatz? Und wie kann ihre Komposition im Film sichtbar gemacht werden? Das sind die Fragen, die die Autorin beantworten will.

25.09.2008
Hendrik Speck über eine Studie zu Youtube

Lieber Hendrik Speck, die große Studie zu Youtube von Frédéric Philipp Thiele und dir ist gerade fertig geworden. Kannst du uns vor der Veröffentlichung schon ein paar Ergebnisse verraten?

Es handelt sich um ein Forschungsprojekt an der FH Kaiserslautern. Im Zug der Studie wurden die öffentlich zugänglichen Seiten von 6 Millionen Nutzern und 5 Millionen Videos auf Youtube erfaßt und untersucht. Das betrifft die Angaben in den Nutzerprofilen, Alter, Geschlecht, Beziehungsangaben, aber auch wie sich die Nutzer verhalten, welche Videos sie ansehen, was sie kommentieren.

Ist es die erste Studie, die ihr zu dem Thema durchführt?

Es gibt bis jetzt keine vergleichbare Studie im Bereich Youtube. Dazu muss man wissen, daß es sich hierbei um das Verhalten in sogenannten Large Scale Communities handelt mit jeweils mehreren Millionen Datensätzen von Nutzern und Videos. Dies sprengt sowohl methodisch als auch vom Datenumfang her die Ansätze und Verfahren der klassischen Soziologie.

25.08.2008, Stefan Heidenreich

In der Theorie hätte das alte Fernsehen allmählich verschwinden sollen, um dem Internetvideo Platz zu machen. Die Bandbreiten sind nahezu vorhanden. Die Zuschauer und Zielgruppen migrieren ohnehin ins Netz. Doch die Konvergenz der beiden allzu ähnlichen Partner stockt. Noch immer klafft eine rätselhafte Lücke zwischen Computerbildschirm und Fernseher, zwischen dem Durchschnittsalter beider Nutzergrupen und den Formaten, zwischen der Auswahl per Suche und dem hergebrachten Programm, zwischen Bürostuhl und Tastatur hier und dort der Couch mit Fernbedienung.

Jeremy Allaire und Adam Berry von Brightcove haben kürzlich einen offenen Brief zu dem Dilemma verfasst. Darin beklagen sie die Hürden, die der fröhlichen und nahen Hochzeit von Bildschirm und Fernsehen, vom Web und TV im Weg stehen.

07.08.2008, Stefan Heidenreich

Virtuelle Welten haben einen Nachteil, der als Silo-Problem bekannt ist. Ihre Bildräume sind isoliert. Man kann sie nicht verlassen.
So viele Inseln Secondlife auch immer baut, es bleibt selbst eine Insel, solange die Avatare nicht von einer Welt zur nächsten wechseln können. Das heißt: von einem Unternehmen zum anderen. Bis dahin bleibt jede Welt eine geschlossenes Silo. Das erinnert ein wenig an das Modell der Portale im frühen Internet, die so tun wollten, als bestünde das Web nur aus den Seiten einer Firma.
Nun wird von den allen möglichen Seiten daran gearbeitet, die verschiedenen Räume miteinander zu verbinden oder sie gleich ganz ans Internet anzuschließen. Dann benötigt man keine eigene Software mehr, um eine 3-D Welt zu betreten, sondern das Eingangstor ist dasselbe wie das zum Internet. Geschäftsmodelle wie die von Secondlife hätten sich damit weitgehend erledigt. Es würde eine Bildwelt entstehen, die es erlaubt, von einer 3D-Welt zur anderen zu wechseln, so wie man von einer Website zur nächsten springt.

Interoperabilität zwischen virtuellen Welten ist das Ziel von OpenGrid, einem gemeinsamen Projekt von IBM und Secondlife. Hamilton Linden von
Lindenlab konnte im Juli die erste erfolgreiche Telportation zwischen 3D-Welten verkünden.

30.07.2008, Stefan Heidenreich

Endlich hat es ein Verlag unternommen, Schriften und Aufsätze von Gottfried Boehm in einem Band zu veröffentlichen, die bislang nur verstreut in Sammelbänden vorlagen oder gar ungedruckt waren. Dabei ist Boehm einer der führenden deutschsprachigen Bildwissen- schaftler, er hat den Begriff des iconic turn geprägt und den Basler Forschungsschwerpunkt für Bildkritik - Eikones  - gegründet.
Als Schüler Gadamers kommt Boehm von der Philosophie her. Im Gegensatz zu vielen Philosophen, die am Begriff des Bildes verausgaben, ohne Bilder je zu betrachten, gelingt es ihm, tatsächlich in und mit den Bildern zu denken. Die Macht des Zeigens lautet der Untertitel seines Buches. Boehm vertritt die These, dass Bilder ihrer eigenen Natur nach auf einem doppelten Zeigen beruhen, nämlich etwas zu zeigen und sich zu zeigen.

19.07.2008, Stefan Heidenreich

Keines der großen Bücher von W.J.T.Mitchell wurde je ins Deutsche übersetzt, weder die Iconology von 1986, noch Picture Theory von 1994. Beide Werke geistern seither also kleine Unbekannte durch die hiesigen Leselisten zwischen Kunstgeschichte und Bildwissenschaft, ohne  wirklich wahrgenommen zu werden. Und das nicht von ungefähr.
Nun legt der Suhrkamp-Verlag eine Auswahl von Aufsätzen Mitchells unter dem etwas irreführenden Titel Bildtheorie auf deutsch vor. Das passt in ein akademisches Umfeld, das hierzulande seit ein paar Jahren Zeit debattiert, wie eine Bildwissenschaft zu gründen wäre. Aber gerade die große Theorie dazu liefert Mitchell nicht, und zwar ganz bewusst nicht. Dazu ist er immer ein viel zu unentschiedener Autor gewesen. Den etwas großspurigen Titeln seiner beiden ersten Bücher zum Trotz hat er nie eine geschlossenes theoretisches Gebäude entwickelt.
Iconology nimmt den Titel Panofskys auf, um gegen dessen Methode der Ikonologie oder besser deren zu naive Lesarten zu argumentieren.

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