Netz-TV: Video demokratisieren

In der Theorie hätte das alte Fernsehen allmählich verschwinden sollen, um dem Internetvideo Platz zu machen. Die Bandbreiten sind nahezu vorhanden. Die Zuschauer und Zielgruppen migrieren ohnehin ins Netz. Doch die Konvergenz der beiden allzu ähnlichen Partner stockt. Noch immer klafft eine rätselhafte Lücke zwischen Computerbildschirm und Fernseher, zwischen dem Durchschnittsalter beider Nutzergrupen und den Formaten, zwischen der Auswahl per Suche und dem hergebrachten Programm, zwischen Bürostuhl und Tastatur hier und dort der Couch mit Fernbedienung.

Jeremy Allaire und Adam Berry von Brightcove haben kürzlich einen offenen Brief zu dem Dilemma verfasst. Darin beklagen sie die Hürden, die der fröhlichen und nahen Hochzeit von Bildschirm und Fernsehen, vom Web und TV im Weg stehen.

- Jedes Gerät hat eigene Standards. Formate und Nutzerverhalten weichen voneinander ab.
- Zusatzgeräte, die TVund Netz verbinden sollen, bieten keinen offenen Zugang zum Web, sondern sind an einzelne Firmen gebunden.
- Es gibt keine offene Struktur, mit der Programmierer arbeiten könnten.

Allaire räumt ein sich eine Demokratisierung von Video zu erträumen, die bis jetzt nicht stattfand, weil proprietäre Formate und Lizenzfragen die Entwicklung bremsen.

Ein produktives "Ökosystem" von Anwendungen, die die Lücke überbrücken, wird so verhindert. Die Lösung liegt, wie allzu oft, in einem gemeinsamen Standard. Sollte die Industrie hier nichts entwickeln, wird möglicherweise freie Software die Lücke nutzen, wie etwa mit dem Format Ogg Theora, das in kommenden Versionen des Firefox-Browsers eingebunden werden soll.

Die Vorschläge von Allaire und Berry kann man kaum als eine Vision bezeichnen. Zu naheliegend und zu selbstverständlich ist, was sie fordern.

- Das TV-Gerät soll direkt mit dem Netz verbunden sein.
- Ein TV-Browser wäre als abgespeckte Version des Netzbrowsers per Fernbedienung anzusprechen.
- An Stelle der Programme tritt ein Katalog, der sich wahlweise als Archiv oder als Programm darstellen lässt.
- Zuschauer würde ihre Geräte registrieren und die gewünschten Inhalte aus dem Katalog bestellen.

Ob das ausreicht, um die bewegten Bilder zu demokratisieren und die Lücke zwischen Fernsehen und Bildschrim zu schließen, bleibt eine offene Frage. Dahinter taucht eine eher theoretisches Problem auf. Prägen Formate oder Geräte unser Verhalten? Werden die verschiedenen Formate auf einem Gerät verschmelzen? Das ist die Idee von Allaire und Berry. Oder werden wir eher zwei Bildschirme haben, weil zwei verschiedene Formate sie fordern? Das ist unsere gegenwärtige Lage.

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Bild: Zonky Robot

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