Sehen Chinesen die Welt anders?
17.12.2005, Annegret Gerleit | Thema: Wahrnehmung, Sehen

Amerikaner und Chinesen sehen Bilder grundsätzlich anders. Das fand kürzlich ein Forscherteam aus Michigan heraus.Richard Nisbett von der Universität Michigan und sein Team haben herausgefunden, dass Amerikaner Bilder völlig anders ins Visier nehmen als Chinesen. Während erstere dazu tendieren, die Objekte zu fokussieren, lassen zweitere den Blick öfter über den Hintergrund schweifen und nehmen die Dinge Kontextbezogen wahr. Ihre Ergebnisse ermittelten die Forscher im Laborversuch mittels Eye-Tracking-Technik. Den Probanden wurden Bilder von Objekten vor einem unruhigen Hintergrund gezeigt. Eine Kamera zeichnete dabei die Augenbewegungen der fernöstlichen und westlichen Probanden auf. Amerikaner nahmen die Objekte durchschnittlich 118 Millisekunden schneller wahr und fixierten sie länger, während die Chinesen im Schnitt schneller ihre Augen auf den Hintergrund richteten und eine Verbindung mit dem Objekt herstellten. ger

Richard Nisbett ist Professor für Psychologie und Co-Direktor des Kultur- und Kognitionsprogramms an der Universität Michigan in Ann Arbor, USA.

Zur Studie: Cultural variation in eye movements during scene perception

Literatur:
Nisbett, Richard E.: The Geography of Thought: How Asians and Westeners Think Differently – and Why.

1 Kommentar zu "Sehen Chinesen die Welt anders?"
20.01.2006, Kommentar von Anonymous
ja, aber diese beobachtung fordert zur frage heraus, ob das huhn oder das ei zuerst kamen.

traditionelle chinesische malerei wird an beiden enden mit einem holzstab aufgerollt und wenn man es betrachten will, rollt man es stück für stück auf. die malerei war dafür geeignet, stückchenweise erschlossen zu werden und lud dazu ein, den blick darüber schweifen zu lassen. es gibt nicht einen focus, sondern viele. daher wird so ein blid, auch wenn es aufgehängt und in seiner gesamtheit sichtbar ist, sinnvollerweise stückchenweise erfasst.

die frage ist nun also: entwickelte sich erst diese art zu malen, vielleicht gar aufgrund der gegebenen materialien und daraus die alternative kognitive wahrnehmung oder die art der malerei wegen der genetisch verschieden dispositionierten art der informationsverarbeitung?
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