iClip - Interaktion mit Entscheidungsproblem
17.12.2005, Stefan Heidenreich | Thema: Ästhetik, Internet

Die Idee, Clips ins Netz zu übertragen, scheint dem bewährten Rezept von Marshall McLuhan zu folgen: ein altes Medium wird zum Inhalt des neuen. Doch die Mediengeschichte zeigt, dass diese Abbildung den Inhalt nie unberührt lässt. So führte etwa vor hundert Jahren der Versuch, Theater im Film zu zeigen, rach zu ganz neuen, typisch filmischen Formen der Dramaturgie.

Die Gleichung Musik+Film=Videoclip)+Internet=iClip geht nicht ohne Rest auf. Denn entweder bleibt die Musik, wie sie ist, und der iClip wird zum normalen Clip. Oder die Bilder sind navigierbar, dann muss die Musik zur Interaktion zerstückelt werden.

Den ersten und zweiten Platz der iClip-Wettbewerbs erhielten Arbeiten, die das Entscheidungsproblem der Interaktion auf ganz verschiedene Weise lösten. Die Gewinner - das Team Basics_09 der UdK Berlin - entwerfen eine Schnittstelle, die die Bestandteile der Sounds auf zehn Finger und zwei Füsse verteilt. Das Bild der Hand soll die Hand des Users dazu verleiten, das Musikstück aus seinen Bestandteilen wieder zusammenzusetzen.

Ganz anders geht die Gruppe Vectortape aus Münster vor. Ihr Clip kombiniert verschiedene Oberflächen und Bedienelemente. Das Bild einer Stadt wird zum Hintergrund von klickbaren Buttons und Foldern und von Linien, an denen sich Musikabläufe zeigen. Visualisierung von Abläufen, Hintergrund und Bedienelemente gruppieren sich zu einem Bild.

Die Musik bringt Bilder hervor und aus den Bildern wird Musik erzeugt. Die zwei iClips zeigen nicht nur, wie Musik und Bild unter den Bedingungen der Interaktion zusammengehen, sondern mehr noch: wo sie einander widersprechen. Beide Bereiche, das Visuelle und das Akustische im Netz, befinden sich in Bewegung. Die Musik verliert ihre bewährten Formate, die sie noch der Schallplatte verdankt. An die Stelle von Hits treten andere Gebrauchsformen des Akustischen, wie etwa Klingeltöne. Die Bilder im Netz werden mehr und mehr beweglich. Ob sie sich dabei dem Interaktionsmuster von Computerspielen annähern, oder eher den passiven Weg avancierter Fernsehprogramme gehen, ist unentschieden. Die iClips demonstrieren in dieser Hinsicht weniger eine Lösung, als vielmehr das Problem.

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