Public Viewing Areas, Pecha Kucha, Powerpoint Karaoke
Neue Kulte ums große Bild

Fanmeile Quelle:Flickr © Rene_BerlinDie Fussball- Weltmeisterschaft war ein Fest der Großbild- Projektionen. Million von Menschen haben sich in den Public Viewing Areas versammelt, um die Spiele gemeinsam zu verfolgen. Das technische Setup stellt keine großen Anforderungen: eine Großbildleindwand, Bänke, Stühle, und der öffentliche Raum verwandelt sich in einen sozialen Ort der Bilder.

Die gleiche mediale Konfiguration bringt mittlerweile zusehends auch andere, eigenständige Formate hervor, die das gemeinsame Betrachten von Bildern zum kulturellen Ereignis machen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: PechaKucha und Powerpoint-Karaoke.

„PechaKucha“ heißt auf japanisch soviel wie „wirres Geplapper“. Die Regeln der Veranstaltung sind einfach erklärt. Zu 20 Bildern, die je 20 Sekunden lang gezeigt werden, berichtet einer Vortragender, was ihm in den Sinn kommt. Langatmig kann der Beitrag nicht werden, denn nach gut 6 Minuten ist die Zeit unweigerlich abgelaufen. Das Architekturbüro  Klein-Dytham hat sich das Event-Format einfallen lassen, um ihre Lounge in Tokio zu beleben.

Am 10. Juli wurde in der Public Viewing Area des Vereins Platoon, die eine Nacht zuvor nach das WM-Finale gesehen hatte, die zweite PechaKucha - Nacht in Berlin veranstaltet. (Die erste fand im April statt) Offenbar hatten einige der Vortragenden das Format nicht wirklich verstanden. Statt freier Assoziationen zu visuellen Eindrücken gaben sie verstümmelte Kurzversion längerer Vorträge zum Besten. Wie jede andere neu entstehende Kulturform durchläuft auch diese eine Phase der Einübung, in der sowohl beim Publikum als auch bei den Akteuren kulturelle Muster und Standards sich erst langsam herausbilden.

Dem PechaKucha ähnlich wirkt das PowerPoint-Karaoke. Zu zufällig vom Netz heruntergeladenen und daher völlig fremden Vorlagen ist ein Kurzvortrag zu improvisieren. Die Themen reichen von der "Kleinen Geschichte des Kiefernholzmöbels" bis zur "ATR-Systemik inverser Pliasmen". Erfunden und im Januar erstmals erprobt wurde das Format im Umfeld der Berliner Zentralen-Intelligenz Agentur

Das verbindende Element dieser visuellen Events besteht in der Weise, wie eine technische und mediale Konfiguration für soziale Ereignisse genutzt wird. Die Mittel, um Bilder selbst am helllichten Tag zu projizieren, werden stetig verbessert und sind mittlerweile leicht zugänglich. Zugleich dehnt sich die Zahl der Menschen, die aktiv mit Bildern umgehen – sie also nicht nur sehen und verstehen, sondern auch zeigen und herstellen - immer weiter aus.

Pecha Kucha, Public Viewing oder Powerpoint-Karaoke stellen die Anfänge neuer Kultformen des Visuellen dar. Wenn Bilder zu einer Projektionsfläche sozialer Identität werden, übernehmen sie eine Funktion, die bislang vorrangig der Musik vorbehalten ist. „Zeig mir deine Bilder und ich sage dir, wer du bist.“

Abbildung 1: © René Berlin, gefunden auf Flickr

 

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