Das Netz zerfällt in viele Welten
Neues vom DLD07

Das WorldWideWeb zerfällt in Teile. Das war beim diesjährigen Digital Lifestyle Day in München von vielen Seiten zu hören. Die einzelne Website wird nicht länger der einzige Orientierungspunkt sein. An ihre Stelle treten verteilte Informationen, auf unterschiedlichen Gebrauch und verschiedene Geräte abgestimmte Daten, fragmentiert und frei verknüpfbar.
Web2.0, so legt diese Einsicht nahe, mag zwar 2.0 sein, aber nicht länger ein Web. Visuelle Information ist von diesem Prozess der Zersplitterung ebenso betroffen wie alle anderen Informationen. Denn die Rolle der Bilder wandelt sich je nach Kontext, Technologie und Gebrauch.

Caterina Fake, Gründerin von Flickr, verglich die Entwicklung des WWW mit den Mainframe-Rechnern der 60er Jahre. An die Stelle der alten Großcomputer traten nach und nach PCs, Notebooks, Handys und spezialisierte Chips an allen möglichen Funktionen. Dasselbe könnte ihrer Ansicht nach mit dem Netz geschehen, das sich von einem einheiltlichen Gebilde in eine Vielzahl möglicher Welten aufspaltet.

Tariq Krim, CEO von Netvibes bestätig diese Einschätzung. Nicht mehr die einzelne Website steht im Zentrum des Geschehens, sondern Fragmente und Module, Widgets oder Badges. Eine zunehmende Rolle wird dabei der zeitbezogene Datenfluss spielen, zum Beispiel über das RSS-Format.
Marissa Mayer von Google ergänzte diese Annahme um Einblicke in die jüngsten Versuche, in die Suche Situationen und Kontexte einzubeziehen. Denn ein Autofahrer erwartet andere Ergebnisse als ein Journalist oder ein Konferenzteilnehmer am Mobiltelefon. Es überrascht nicht, dass in diesem Zusammenhang Geräte mit eingebauter Lokalisation oder soziale Netzwerke verstärkt beachtet werden.

Ihr Diskussionpartner Carlos Bhola merkte an, dass sich der Schwerpunkt der Innovation von rein technischen Entwicklungen wegbewegt und verstärkt in neuen Umgangs- und Verhaltensformen zu suchen ist, die regional und sozial unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Was bedeuten diese Entwicklungen für Bilder und mögliche ikonischen Welten?

Arend Oetker, der als web-externer Gast die Diskussion klug zu kommentieren wusste, gab zu bedenken, dass Bilder auf verschiedenen Interfaces sehr verschieden wirken. Nur ab einer bestimmten Größe strahlen sie genügend affektive und emotionale Energie aus, um als Werbeträger zu taugen. "Size matters", Handys erfordern andere Werbestrategien als Großbildschirme.
Da die Runden zu einem großen Teil mit Vertretern der Industrie besetzt waren, stießen Fragen nach möglichen Revenue-Modellen stets auf großes Interesse. Allen voran war Google gefragt, wo Mayer mögliche Strategien im Umgang mit Video ansprach, nach dem Kauf von Youtube eine drängende Frage. Verschiedene Verfahren befinden sich im Test, so etwa Pre-Roll-Werbung, Kontextualisierung von Videos über die Zuordnung von Sprache-zu-Text oder die Konstruktion neuer Medien- und Werbe-Stars.

Zu diesem Punkt gab Miles Beckett, einer der Macher von Lonelygirl15, Einblicke in die Arbeit an der ersten Web-Soap, bei der neuartige Wege der Nutzerbeteiligung erprobt werden. Die Episoden und Figuren werden im Netz ausgiebig kommentiert und die Kommentare im Produktionsprozess weiter verwertet. Caterina Fake verwies auf die politische Gegenmacht der von Nutzern eingestellten Bilder, was nicht nur für Bilder des Widerstand aus Oaxaca zutrifft, sondern auch für Kommentare zu hiesiger Politik.


Die visuelle Seite des Netzes unterliegt ebenfalls Prozessen der Fragmentierung. Sie dämpfen die Wirkungen der Bilder keineswegs, sondern vervielfältigen und verteilen sie neu. 

Bilder: HBM Marcom

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