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Kunstgeschichte als historische Bildwissenschaft

Referent: Prof. Dr. Horst Bredekamp
Moderator: Prof. Dr. Jutta Allmendinger

Datum: 04.07.2002
Uhrzeit: 19:00

Ort: Aula, Ludwig-Maximilians-Universität, München

Seit ihrer Gründung hat die Kunstgeschichte keinesfalls auf Bereiche der "Hochkunst" beschränkt. Die um 1900 vor allem in Wien, München und Hamburg ausgebildeten Methoden haben der Kunstgeschichte als einer umfassenden historischen Bildwissenschaft ein bis heute tragfähiges Fundament gegeben.

 

Die Stärkung und der Ausbau dieser Grundlagen erscheint für die Geltung des Faches gegenwärtig von besonderer Bedeutung. Verschiedene Vorstöße, im angelsächsischen oder deutschsprachigen Raum die "visual studies" oder auch eine allgemeine "Bildwissenschaft" zu etablieren, stellen die Kunstgeschichte bisweilen als "zweite Archäologie" dar, die für die Welt der gegenwärtigen Bilder nicht mehr genuin zuständig sei. Das hierdurch entstandene Problem für die Wahrnehmung der Kunstgeschichte könnte vernachlässigt werden, wenn dabei nicht Methoden verloren gingen, die für die Beschäftigung mit Bildern eine unabdingbare Voraussetzung bieten. Der "pictorial" oder auch "iconic turn" hat zwar ein ungeheures Interesse für alle Fragen des Bildes entfacht, aber er hat kaum dazu beigetragen, die Erforschung der formalen Bedingungen des Gegenstandes "Bild" voranzubringen.

Vor allem wird immer wieder außer Acht gelassen, daß es gegenwärtig insbesondere die Naturwissenschaften sind, die ein Höchstmaß an ästhetischer Innovation aufwenden, um sich ihrer oftmals nicht sichtbaren Gegenstände zu vergewissern. Im Vortrag soll versucht werden, an Hand historischer Fallstudien die formale Qualität auch und gerade naturwissenschaftlicher Bildprodukte zu erfassen, die in der Regel als "Illustrationen" unterschätzt und in ihrer semantischen Botschaft entschärft werden.

 




Letzte Änderung 17.01.2006