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Imaging als Einheit von Künsten und Wissenschaften

Referent: Prof. Dr. Bazon Brock
Moderator: Prof. Dr. Andreas Heldrich

Datum: 07.05.2002
Uhrzeit: 19:00

Ort: Aula, Ludwig-Maximilians-Universität, München

Den Beginn der Moderne im 15. Jahrhundert bezeichnet eine damalige Kampagne, die behauptete, wesentlichen Erkenntnisfortschritt erziele man nicht durch gelehrte Textkonstrukte, sondern durch Bildgebung, wie sie die bildenden Künstler mit Visualisierungen, Modellbau, zentralperspektivischem Bildraum und der Entwicklung von optischem Gerät betrieben. Der Kampagnentitel hieß ut pittura poesis: Bildgebung schafft Erkenntnis. Das demonstrierte Leonardo mit seinen Anatomiestudien, technischen Konstruktionszeichnungen, Wissenschaftsillustrationen und Kunstwerken am Wendepunkt von christlicher zu humanistischer Ikonographie (Bilddeutung).

 

Ab dem 16. Jahrhundert trennten sich die wissenschaftlichen und künstlerischen Verfahren der Bildgebung und experimentellen Modellierung. Die Verfahrenslogiken von Wisssenschaften und Künsten schienen völlig unvereinbar zu sein; man sprach von den drei Kulturen: Wissenschaften, Künsten und politökonomischer Kommunikation. Mit der gemeinsamen Nutzung von Zeichengebungsmaschinen, also Computern, für Forschung und kommunikative Vermittlung sind Wissenschaften und Künste gleichermaßen veranlaßt, die Gestaltungslogiken der elektronischen Zeichengebung zu berücksichtigen. Damit ist erstmals seit dem 15. Jahrhundert die Chance zu einer sinnvollen Kooperation von Wissenschaftlern und Künstlern gegeben.

 




Letzte Änderung 17.01.2006