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Von der Wahrnehmung zum Bild

Referent: Prof. Dr. Reinhard Brandt
Moderator: Dr. Daniela Rippl

Datum: 20.06.2002
Uhrzeit: 19:00

Ort: Aula, Ludwig-Maximilians-Universität, München

Der Bildbegriff sollte, um praktikabel zu sein, durch folgende Merkmale festgelegt werden. Erstens sind statische oder bewegte Bilder optische - und damit anthropologisch bedingte - Phänomene. Sie können als solche weder in andere Sinnesbereiche transponiert werden (Bilder lassen sich nicht hören oder schmecken), noch bilden sie Symbole oder Zeichen, die ohne Verlust in andere Medien übersetzbar sind; die sichtbare Schrift kann z. B. in eine tastbare Blindenschrift transponiert werden, etwas Analoges ist dagegen bei Bildern nicht möglich. Zweitens unterscheiden sich Bilder von anderen optischen Phänomenen dadurch, daß sie etwas zur Anschauung bringen und erkennen lassen, was sie selbst nicht sind. Dieses „erkennen lassen“ und die vom Bildbetrachter zu vollziehende Negation („was sie selbst nicht sind“) werden in der abstrakten Kunst im Bild selbst aufgehoben. – Die kopernikanische Wende faßte Raum und Zeit und die Kategorien der Wirklichkeit als subjektive Formprinzipien und wandte sich damit gegen die traditionelle Ontologie; die sprachphilosophische Wende sah in diesen subjektiven Prinzipien lediglich psychologische Residuen und verlegte die Erkenntnis aus dem privaten Subjekt in das öffentliche Medium der Sprache. Was leistet die dritte Wende, der „iconic turn“?




Letzte Änderung 17.01.2006