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Frühzeit des Bildes: Der Iconic Turn im Alten Ägypten

Referent: Prof. Dr. Jan Assmann
Moderator: Prof. Dr. Thomas Buchheim

Datum: 28.11.2002
Uhrzeit: 19:00

Ort: Aula, Ludwig-Maximilians-Universität München,
Geschwister-Scholl-Platz 1

Die Rede von einer "Wende zu den Bildern", einem iconic turn, den unsere Kultur und Gesellschaft in der Spätmoderne vollzieht, hat eine lange Vorgeschichte in der abendländischen "Grammatologie", der Lehre von den Schriftzeichen und ihrer Beziehung zu Sprache, Denken und Wirklichkeit. Die These, die dieser Vortrag vertreten und begründen möchte, geht dahin, daß dieser abendländische Diskurs, vermittelt durch die Griechen, in letzter Instanz auf die Schriftkultur des Alten Ägypten mit seinen verschiedenen ikonischen und anikonischen Schriften zurückgeht. Das Abendland, dessen gegenwärtige kulturelle Situation Moses Mendelssohn als "Buchstabenmenschentum" bezeichnete, träumte seit der Renaissance den Traum einer ganz anderen, natürlichen Schrift, in der sich die Welt unmittelbar, d.h. nicht über konventionelle Codes vermittelt, erschließt und sah deren

Ur- und Vorbild in den ägyptischen Hieroglyphen, wie sie in griechischen Quellen, allen voran dem Hieroglyphenbuch des Horapollon, beschrieben wurden. Der Vortrag zeigt aus ägyptologischer Sicht, wie viel, trotz der entzaubernden Entzifferung der Hieroglyphen durch Champollion, an diesen Vorstellungen auf genuiner ägyptischer Tradition beruht und in welchen Formen diese Tradition die abendländischen Diskurse beflügelt und befruchtet hat.

 




Letzte Änderung 17.01.2006