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Bewegliche Fluchtpunkte - Der Blick von oben und die moderne Raumanschauung

Referent: Prof. Dr. Christoph Asendorf
Moderator: Stefan Heidenreich

Datum: 27.01.2005
Uhrzeit: 19:00

Ort: Große Aula, Ludwig-Maximilians-Universität München

Perspektivische Raumdarstellung ist nicht nur an stabile Koordinaten gebunden, sondern in der Praxis meist auch an den in der menschlichen Wahrnehmung gewohnten Horizontalblick. Beide Voraussetzungen relativieren sich mit Beginn der industriellen Revolution. Wahrnehmungsfelder dynamisieren sich; durch gesteigerte Geschwindigkeiten wird der Raum als Bewegungsraum erfahrbar. Mit der Entwicklung der Flugtechnik und dem Blick von oben ist der Anschauungsraum gleichsam gekippt, wodurch sich Erscheinung und Relation der Dinge untereinander grundsätzlich verändern. Malerei, Fotografie und Film entbinden den Blick von Körper und Erdboden. Verschiedene Sehweisen koexistieren, und es wird zum Ziel insbesondere der Künstler und Theoretiker der klassischen Moderne, Formeln für ein dynamisches Weltbild zu finden. Mit den entwickelten Technologien des Informationszeitalters kommt noch ein neuer Faktor ins Spiel - ein Kampfpilot etwa bewegt sich heute, verbunden mit Satelliten und Bodenstation, in einem Amalgam aus Realität, einer Vielzahl technisch erzeugter Bilder und sonstigen Anzeigen; hier sind sämtliche raumzeitliche Variablen in schnellem Fluß.




Letzte Änderung 17.01.2006