17.05.2008, Stefan Heidenreich

Dass Bilder laufen lernten, ist eine Weile her. Im Netz lernen sie nun langsam zu springen.
Zeit war seit Anfang an ein Problem im Internet. Google hat es ganz einfach umgangen, indem es die Dimension der Zeit ignoriert.

Doch Zeit und ihre Abläufe kommen wieder, und das um so dringender, je mehr zeitbasierte Information wir im Internet finden. Nun gibt es einen ganz grundsätzlichen Widerspruch zwischen dem Zugriff auf Zeit und dem Bild. Wann immer wir in der Zeit springen wollen, benötigen wir im Bild Platz, um die Dimension Zeit darzustellen. Etwa mit einem Diagramm oder einem Chart.

Time Tube bietet eine einfache Lösung an, Bilder auf einem Zeitpfeil anzuordnen. Es handelt sich bei der Service um ein Mashup der Plattform Dipity, die Zeitreihen erstellt. Timetube kombiniert die Zeitreihe mit einer Suche auf dem Videokanal Youtube.

26.03.2008, Stefan Heidenreich

In der Süddeutschen Zeitung (leider nicht online) macht sich heute Jutta Göricke Gedanken zum Verhältnis von Kunst- und Bildwissenschaften.

Die Veränderungen der Kunstgeschichte illustriert sie mit einem gelungenen Bild. Lang ist es her, dass man Stilleben nur als Zeichen der Vanitas gelesen hat, der Eitelkeit und Vergänglichkeit. Heute zählt auch dort eher Curiositas, die Neugier, und die abgeschälte Zitronenschale zieht gedanklich in die Anatomischen Theater ein.
Vielleicht ginge es auch noch etwas gegenwärtiger, war doch die Zitrone Handelsgut in Amsterdam, dem Zentrum nicht nur der Stillebenmalerei, sondern auch des globalen Handels , wo die ersten Börsen ihre Höhenflüge und Kursstürzen erlebten.

Die Kunstgeschichte, so Göricke, droht
in drei Lager zu zerbrechen: das der Traditionalisten, die sich um Stil und Provenienzen kümmern, das der historischen Avantgardisten, die den Interpretationsrahmen von Kunstwerken um Naturwissenschaften in die Technikgeschichte erweitern, und das der ahistorischen Bildwissenchaften, die keinen Unterschied mehr machen zwischen der Venus von Botticelli und der Ultraschallaufnahme eines Oberbauchs.

Bildwissenschaften dagegen
stellen sich der Flutwelle der technischen Bilder, die sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts aufgebaut hat und seither den Globus überschwemmt. Iconic Turn.

03.03.2008
Rezension zu Hans Ulrich Reck: Eigensinn der Bilder

Reck: Eigensinn der Bilder. CoverWir werden auch Themen behandeln wie den iconic turn, also die Frage, ob es eine universale Bildwissenschaft gibt und was diese mit den Medien zu tun hat(245),  verspricht Hans-Ulrich Reck. Die Antwort überlässt er seinem Freund Bazon Brock, der lakonisch zweierlei festhält: Der eigentliche iconic turn besteht darin, dass heute vor Gericht niemand mehr das Argument abgenommen wird, dass er durch Bilder getäuscht worden sei. Selbst in der Rechtsprechung geht man davon aus, dass jeder, der mit Photographie, Film, Fernsehen aufgewachsen ist, nicht mehr vor Gericht einklagen kann, dass zwischen dem im Reiseprospekt abgebildeten Hotel mit Sandstrand und dem real von ihm wahrgenommenen Hotel vor Ort eine einklagbare Differenz besteht.(267) Die andere Seite des iconic turn sieht Brock in der Schlacht um die Ausildungsprogramme, und damit geht es zurüpck zur Unvermeidlichkeit der Kunst: Die zu diskutierende Fragestellung wird in jedem Bildungs- und Kultusministerium aufgegrifffen, wenn intern entschieden werden soll, ob ein neu zu errichtender Lehrstuhl nun unter dem Titel Ästhetik, Kunstgeschichte, Bildwissenschaften, Medienanthropologie oder Kunstkritik ausgeschrieben werden soll. Jeder, der sich verführen lässt, unter dem Titel Medienwissenschaft als Professor anzutreten, muss mit der Zeit einsehen, dass sein Bemühen ohne Bezug auf die Kunst vergeblich sein wird. Sobald der Bezug zu Kunst ind erMedinekritik oder Medienanthropologie ausfällt, geht der Betreffende zurgrunde. Denn nur die Kunst handelt von Evidenzkritik als um im Bild selbst.(268)
Diese Aussage erscheint ziemlich gewagt, wenn nicht geradewegs ignorant, angesichts der Fülle an Referenzen von Bildern auf Bilder, die auf Seiten wie Flickr oder Youtube kultiviert wird. Natürlich gelten dort nicht die Diskursregeln der beiden Herren. Aber Brock bleibt mit seinen Thesen ganz im Tenor der Buches. 

14.02.2008

 

Manchmal braucht Denken Zeit. Vor zwei Jahren hielt der Philosoph Jürgen Habermas eine Rede in Wien (pdf der Rede). Und nun fand in Oldenburg ein Symposium statt, das die FAZ im Licht von Habermas' damaligen Aussagen genauer betrachtet. Und das scheint nötig zu sein. Denn immerhin machte Habermas deutlich, dass das Internets die Struktur der neuen Öffentlichkeit prägt.

Seine Warnung, warum das Netz dem Denken gefährlich wird, führt um zwei Ecken.
Denn zu begrüßen ist, so Habermas, dass die Umstellung der Kommunikation von Buchdruck und Presse auf Fernsehen und Internet zu einer ungeahnten Ausweitung der Medienöffentlichkeit und zu einer beispiellosen Verdichtung der Kommunikationsnetze geführt hat. Aber gerade die Breite, das Nicht-Exklusive und der Überfluss von Information droht zu Mängeln beim Inhalt zu führen.

In diesem Medium (Internet) verlieren die Beiträge von Intellektuellen die Kraft, einen Fokus zu bilden. Damit bleibt Habermas seinen Anfängen treu. Schon in seinem frühen Buch Strukturwandel der Öffentlichkeit behauptet er, dass die Medien im Laufe eines guten Jahrhunderts den nicht gerade vorteilhaften Weg vom Journalismus schriftstellernder Privatleute zu den öffentlichen Dienstleistungen der Massenmedien gegangen sind.

11.01.2008
Horst Bredekamp bei der Ringvorlesung Dimensionen des Monumentalen

Das Monumentale kehrt im Gewand des Ikonischen wieder. Diesen überraschenden Schluss fand Horst Bredekamp in seiner Vorlesung mit dem Titel Momente des Monumentalen. Als Beispiel dient ihm ein Gebäude des Architekten Rem Koolhaas, das derzeit in Peking gebaut wird.
Der Turm für den staatlichen Rundfunksender CCTV stellt ein Musterbeispiel einer gebauten Ikone dar. Dabei war es gerade Koolhaas, der sich noch 2006 in seinem Beitrag für den Band Iconic Worlds gegen das Ikonische als stilistische und ästhetische Möglichkeit ausgesprochen hat. Doch der Niederländer ist kein Dogmatiker. Er passt seine Ideen den Gegebenheiten an und zögert nicht, seine Gebäude zu Ikonen zu formen, wenn nötig.

 

30.11.2007, Stefan Heidenreich

Entweder es bleibt alles, wie es ist. Oder es ändert sich. Auf die Frage, was Video im Web werden kann, gibt es diese zwei Antworten.
Antwort eins geht davon aus, dass Film und Fernsehen sich einfach so wie sie sind im Internet wiederfinden werden. Dem Kino ist das schon geglückt, allerdings vorwiegend in Tauschbörsen und also kaum zur Freude der Filmemacher und Filmfirmen.
Die Übernahme von Fernseh- Inhalten ist ebenfalls auf dem besten Weg, wie man an Seiten wie Joost sehen kann.

Spannender wird allerdings die zweite Antwort. Denn sie behauptet, dass weder Fernseh- noch Kinoformate den Übergang ins Netz so überleben werden, wie sie heute aussehen. Satt dessen werden wir es mit einer neuen Formaten, neuen Herstellungsweisen und einer neuen Ästhetik zu tun habe. Der Tech-Blog Techcrunch hat jüngst zwei Fälle vorgestellt, die Hinweise geben, wie sich Video im Web entwickeln könte.

Dan Greenberg wirft einen Blick hinter die Kulissen im Kampf um Aufmerkamkeit auf Youtube. Erik Schonfeld weist auf einen Site hin, die Videos kollaborativ von Nutzern generieren lässt.

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