10.06.2008, Stefan Heidenreich

Dass Stimmungen sich in Bildern und Musik wiederfinden, will Gettyimages mit der Plattform Moodstream nutzen. Wozu genau der Service dienen soll, der Anfang Juni beim Webby Award vorgestellt wurde, lässt sich nicht leicht sagen.
Die Agentur Barbariangroup, die die Idee entwickelt hat, gibt vorsichtshalber gleich mehr als einen Zweck an:

It’s a concepting tool. The modern version of the fireplace. An interactive art piece. TV for the future. It’s a website we created for and with Getty Images to showcase all of their offerings – still, video and sound – and inspire interactive creatives. And it’s really, really fun to use.

Tatsächlich handelt es sich um eine stimmungsgeleitete Tour durch das rieisge Reich von Gettys Stockfotos.

04.05.2008, Stefan Heidenreich

Seit mehr als einem Jahrzehnt versucht man, Bilder nicht nur nach Begriffen, sondern nach ihrem Inhalt zu ordnen. Content-based Image Retrieval heisst die Technik unter Forschern. Zum Leidwesen der Beteiligten haben sich die grundlegende Probleme bislang nicht lösen lassen. Denn Maschinen können die meisten Dinge, die Menschen in Sekunden erfassen, bisher nicht erkennen.

Wenn sich nun aber Google dem Problem widmet, scheint es, als sei man einer Lösung nahe. A Google Prototype for Precision Image Search titelt die NY Times und Golem schreibt von einer neuen Bildsuche. Das entspricht nicht ganz den Fakten. Was die beiden Forscher Yushi Jing und Shumeet Baluja auf der WWWConference in Beijing unter dem Titel PageRank for Product Image Search (pdf) vorgestellt haben, ist eher ein Versuch, dem großen Problem auszuweichen. Und dieses Vorgehen hat durchaus etwas für sich.

17.04.2008, Stefan Heidenreich

Mit der Einführung der biometrische Ausweise ist uns das Lachen auf das Passbilder erst einmal vergangen. Nun kommt es im Netz zurück, will man der Ankündigug der chinesischen Website tuyuan glauben. Sie bietet den Service der Gesichtserkennung an. Michel Arrington äußert auf Techcrunch berechtigte Zweifel. Or it may just put boxes around people's heads. Denn eigentlich ist die Gesichtserkennung noch lang nicht so weit, in jeder Lage und jedem Licht Name und Antlitz einander zuordnen zu können.

Tuyuan sind im übrigen nicht die ersten, die sich an webfähiger Gesichtserkennung versuchen. Riya bietet seit zwei Jahren Bildsuche an, auch für Gesichter, wenn auch mässig befriedigend. Polarrose arbeitet an einer auf Gesichter spezialisierten Variante, kommt aber seit mehr als einem Jahr nicht über die Beta-Phase hinaus.

18.03.2008

Manche Innovationen sind nicht nur Geschäftsmodelle, sondern Entwürfe von wissenschaftlichem Interesse. Wieder einmal sind es die Apfel-Insider, die das neueste aus Cupertino verbreiten. Apple hat sich Gedanken über die Zukunft der Bewegtbilder gemacht. Der laufende Kampf um die Vorherrschaft in dem Feld lässt sich von zwei Seiten her lesen. Einmal ist er ein Ringen um Marktanteile und eine Konkurrenz der Konzepte. Zum anderen erlaubt er einen Blick in ein öffentliches Labor, in dem das künftige Verhältnis von Menschen und Bildern entworfen wird.

Der Blick auf Apple's Studien ist insofern interessant, als sie Video im Netz nicht einfach als einen Service begreifen, sondern als Teil unserer Umwelt. Die lebensweltliche Perspektive macht es nötig, einige der Anwendungen neu zu bedenken. Am Ende geht es vielleicht so sehr nicht um einen generalisierten Video-Provider, wie ihn etwa Youtube darstellt, sondern um eine ganze Reihe unterschiedlicher Services, die einzelnen Lebens-Situationen angepasst sind.

23.02.2008, Stefan Heidenreich

You dont' understand our Audience überschreibt John Hockenberry seinen Artikel für die jüngste Ausgabe der MIT Technology Review. Was er nicht versteht und sich zu verstehen weigert, ist der Wille der Netzwerke, ihre Bilder einem imaginierten Publikum anzudienen und dabei jedem Hindernis auszuweichen. Aber gerade das, so legt es Hockenberry nahe, bringt die Sender in eine technologische wie ästhetische Rückständigkeit.

Bilder werden als Werbeumgebung eingesetzt. Was zählt, sind Emotionen, nicht Information. Hockenberrys Beispiel reicht in die Tage kurz nach 9/11 zurück, als er bei dem Fernsehsender NBC arbeitete.

The next morning I was in the office of David Corvo, the newly installed executive producer of Dateline, when Zucker entered to announce that the network was going to resume the prime-time schedule for the first time since the attacks. The long stretch of commercial-free programming was expensive, and Zucker was certain about one thing: 'We can't sell ads around pictures of Ground Zero.'

Hockenberry hängt noch der Vorstellung an, Journalisten sollten informieren und aufklären. Er schlägt eine Dokumentation über das Al-Qaida Netzwerk vor, das damals gerade erst in  Verdacht gerät. Der Produzent dagegen will statt eines Hintergrundberichts lieber emotional positv aufgeladene Heldenfiguren zeigen.

But Zucker insisted that Dateline stay focused on the firefighters.

14.02.2008

 

Manchmal braucht Denken Zeit. Vor zwei Jahren hielt der Philosoph Jürgen Habermas eine Rede in Wien (pdf der Rede). Und nun fand in Oldenburg ein Symposium statt, das die FAZ im Licht von Habermas' damaligen Aussagen genauer betrachtet. Und das scheint nötig zu sein. Denn immerhin machte Habermas deutlich, dass das Internets die Struktur der neuen Öffentlichkeit prägt.

Seine Warnung, warum das Netz dem Denken gefährlich wird, führt um zwei Ecken.
Denn zu begrüßen ist, so Habermas, dass die Umstellung der Kommunikation von Buchdruck und Presse auf Fernsehen und Internet zu einer ungeahnten Ausweitung der Medienöffentlichkeit und zu einer beispiellosen Verdichtung der Kommunikationsnetze geführt hat. Aber gerade die Breite, das Nicht-Exklusive und der Überfluss von Information droht zu Mängeln beim Inhalt zu führen.

In diesem Medium (Internet) verlieren die Beiträge von Intellektuellen die Kraft, einen Fokus zu bilden. Damit bleibt Habermas seinen Anfängen treu. Schon in seinem frühen Buch Strukturwandel der Öffentlichkeit behauptet er, dass die Medien im Laufe eines guten Jahrhunderts den nicht gerade vorteilhaften Weg vom Journalismus schriftstellernder Privatleute zu den öffentlichen Dienstleistungen der Massenmedien gegangen sind.

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