07.08.2008, Stefan Heidenreich

Virtuelle Welten haben einen Nachteil, der als Silo-Problem bekannt ist. Ihre Bildräume sind isoliert. Man kann sie nicht verlassen.
So viele Inseln Secondlife auch immer baut, es bleibt selbst eine Insel, solange die Avatare nicht von einer Welt zur nächsten wechseln können. Das heißt: von einem Unternehmen zum anderen. Bis dahin bleibt jede Welt eine geschlossenes Silo. Das erinnert ein wenig an das Modell der Portale im frühen Internet, die so tun wollten, als bestünde das Web nur aus den Seiten einer Firma.
Nun wird von den allen möglichen Seiten daran gearbeitet, die verschiedenen Räume miteinander zu verbinden oder sie gleich ganz ans Internet anzuschließen. Dann benötigt man keine eigene Software mehr, um eine 3-D Welt zu betreten, sondern das Eingangstor ist dasselbe wie das zum Internet. Geschäftsmodelle wie die von Secondlife hätten sich damit weitgehend erledigt. Es würde eine Bildwelt entstehen, die es erlaubt, von einer 3D-Welt zur anderen zu wechseln, so wie man von einer Website zur nächsten springt.

Interoperabilität zwischen virtuellen Welten ist das Ziel von OpenGrid, einem gemeinsamen Projekt von IBM und Secondlife. Hamilton Linden von
Lindenlab konnte im Juli die erste erfolgreiche Telportation zwischen 3D-Welten verkünden.

21.06.2008, Stefan Heidenreich

Stefan Leifert hat in einem Band zwei Bücher über die Ethik des Visuellen geschrieben. Er versucht, den ganzen Weg von den philosophischen Bildtheorien bis zum alltäglichen Gebrauch der Bilder im Journalismus zurückzulegen. Zwischen Theorie und Praxis kommt es zu einem Bruch, der zugegebenermaßen schwer zu vermeiden ist. Von der Höhe der Bildtheorien  Husserls, Sartres und Heidegger unternimmt Leifert einen waghalsigen Sprung in die Tiefe
der publizistischen Selbstkontrolle im Bereich des Printjournalismus durch den Deutschen Presserat.

Ums vorwegzunehmen: Das Buch übersteht den Sprung nicht schadlos, aber dem Autor gebührt für den Versuch alle Achtung. Auch wenn das Buch in zwei Teile zerfällt, die nicht wirklich miteinander zusammenhängen und sich auch nicht unbedingt an dieselben Leser wenden.

10.06.2008, Stefan Heidenreich

Dass Stimmungen sich in Bildern und Musik wiederfinden, will Gettyimages mit der Plattform Moodstream nutzen. Wozu genau der Service dienen soll, der Anfang Juni beim Webby Award vorgestellt wurde, lässt sich nicht leicht sagen.
Die Agentur Barbariangroup, die die Idee entwickelt hat, gibt vorsichtshalber gleich mehr als einen Zweck an:

It’s a concepting tool. The modern version of the fireplace. An interactive art piece. TV for the future. It’s a website we created for and with Getty Images to showcase all of their offerings – still, video and sound – and inspire interactive creatives. And it’s really, really fun to use.

Tatsächlich handelt es sich um eine stimmungsgeleitete Tour durch das rieisge Reich von Gettys Stockfotos.

17.04.2008, Stefan Heidenreich

Mit der Einführung der biometrische Ausweise ist uns das Lachen auf das Passbilder erst einmal vergangen. Nun kommt es im Netz zurück, will man der Ankündigug der chinesischen Website tuyuan glauben. Sie bietet den Service der Gesichtserkennung an. Michel Arrington äußert auf Techcrunch berechtigte Zweifel. Or it may just put boxes around people's heads. Denn eigentlich ist die Gesichtserkennung noch lang nicht so weit, in jeder Lage und jedem Licht Name und Antlitz einander zuordnen zu können.

Tuyuan sind im übrigen nicht die ersten, die sich an webfähiger Gesichtserkennung versuchen. Riya bietet seit zwei Jahren Bildsuche an, auch für Gesichter, wenn auch mässig befriedigend. Polarrose arbeitet an einer auf Gesichter spezialisierten Variante, kommt aber seit mehr als einem Jahr nicht über die Beta-Phase hinaus.

18.03.2008

Manche Innovationen sind nicht nur Geschäftsmodelle, sondern Entwürfe von wissenschaftlichem Interesse. Wieder einmal sind es die Apfel-Insider, die das neueste aus Cupertino verbreiten. Apple hat sich Gedanken über die Zukunft der Bewegtbilder gemacht. Der laufende Kampf um die Vorherrschaft in dem Feld lässt sich von zwei Seiten her lesen. Einmal ist er ein Ringen um Marktanteile und eine Konkurrenz der Konzepte. Zum anderen erlaubt er einen Blick in ein öffentliches Labor, in dem das künftige Verhältnis von Menschen und Bildern entworfen wird.

Der Blick auf Apple's Studien ist insofern interessant, als sie Video im Netz nicht einfach als einen Service begreifen, sondern als Teil unserer Umwelt. Die lebensweltliche Perspektive macht es nötig, einige der Anwendungen neu zu bedenken. Am Ende geht es vielleicht so sehr nicht um einen generalisierten Video-Provider, wie ihn etwa Youtube darstellt, sondern um eine ganze Reihe unterschiedlicher Services, die einzelnen Lebens-Situationen angepasst sind.

23.02.2008, Stefan Heidenreich

You dont' understand our Audience überschreibt John Hockenberry seinen Artikel für die jüngste Ausgabe der MIT Technology Review. Was er nicht versteht und sich zu verstehen weigert, ist der Wille der Netzwerke, ihre Bilder einem imaginierten Publikum anzudienen und dabei jedem Hindernis auszuweichen. Aber gerade das, so legt es Hockenberry nahe, bringt die Sender in eine technologische wie ästhetische Rückständigkeit.

Bilder werden als Werbeumgebung eingesetzt. Was zählt, sind Emotionen, nicht Information. Hockenberrys Beispiel reicht in die Tage kurz nach 9/11 zurück, als er bei dem Fernsehsender NBC arbeitete.

The next morning I was in the office of David Corvo, the newly installed executive producer of Dateline, when Zucker entered to announce that the network was going to resume the prime-time schedule for the first time since the attacks. The long stretch of commercial-free programming was expensive, and Zucker was certain about one thing: 'We can't sell ads around pictures of Ground Zero.'

Hockenberry hängt noch der Vorstellung an, Journalisten sollten informieren und aufklären. Er schlägt eine Dokumentation über das Al-Qaida Netzwerk vor, das damals gerade erst in  Verdacht gerät. Der Produzent dagegen will statt eines Hintergrundberichts lieber emotional positv aufgeladene Heldenfiguren zeigen.

But Zucker insisted that Dateline stay focused on the firefighters.

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